E.M. Forster – Zimmer mit Aussicht [classics]

Man könnte hier jeden Blogeintrag mit „seit Ewigkeiten auf meinem SuB“ beginnen…

Jedoch ist dies eins der klassischen Bücher, die man vielleicht einmal liest und dann nie wieder. Aber nein, man muss Zimmer mit Aussicht nicht gelesen haben, um mitreden zu können. Denn in Wirklichkeit redet niemand jemals über diese Buch. Ich wusste nur, dass es existiert, weil ich mal in die Verfilmung mit Helena Bonham Carter und Maggie Smith reingeschaltet habe.

Beschrieben wird das Buch als Edwardian social comedy – ich suche immer noch verzweifelt nach dem „comedy“ Es war einfach nur eine Geschichte. Eine Geschichte eines beeinflussbaren Görs um die Jahrhundertwende. Verschickt mit ihrer ältlichen, unverheirateten Cousine Charlotte nach Italien getarnt als Bildungsreise. Sie wohnen in einer Pension geführt von einer englischen Frau, die versucht italienischer als die Italiener zu sein. Umgeben gleichfalls steifen Engländern in der Pension, in der Stadt, überall. Englische Pfarrer (massig), englische Touristen, englische Autoren. Alles nur keine Italiener in diesem Buch. Man merkt allerdings sehr, dass E.M. Forster hier seine eigene Reise durch das Land verarbeitet. Das Gör, Lucy, und Charlotte lernen in eben dieser Pension zwei Männer kennen, die nicht ihren gesellschaftlichen Erwartungen entsprechen. Zudem bieten sie den Damen unaufgefordert ihr besagtes Zimmer mit der schönen Aussicht an. Charlotte echauffiert sich und will das Zimmer nicht annehmen. Es endet jedoch damit, dass sie das Zimmer, dass sie ja eigentlich wollen, doch nehmen – weil sie es aufgenötigt bekommen. Der jüngere dieses männlichen Zweigespanns, der Sohn George, verliebt sich kurz danach in Lucy. Ich habe keinen blassen Schimmer, was Lucy an George oder George an Lucy findet. Sie passen null zusammen, und als die beiden Grazien nach einem Kuss zwischen Lucy und George nach Rom abreisen, glaubt man sich schon gerettet.

Der mittlere Teil hat mir ein bisschen besser gefallen. Lucy ist zurück in Surrey bei ihrer Familie. Charlotte wurde kaltgestellt und wohnt allein in ihrer Wohnung Gott weiß wo (vermutlich London). Lucy hat ihr nicht verziehen, wie sie sich nach dem Kuss aufgeführt hat. Wirklich traurig ist Lucy wegen George allerdings nicht. Sie ist verlobt mit einem begehrten Gentleman und leugnet ihrer Gefühle für George, soweit diese überhaupt vorhanden waren. Der Verlobte bevormundet sie, hält sie klein und lässt sie dumm dastehen. Eigentlich mag ihn auch gar niemand. Nur traut sich keiner etwas zu sagen, weil er ja so ein Gentleman ist. Christian Grey ohne Peitsche, wenn ihr mich fragt. Allerdings ist Lucy doch cleverer als Ana Steele aus Fifty Shades of Crap und verlässt den Typen, weil George in ihre Nachbarschaft gezogen ist und mehr oder weniger vor ihr auf die Knie fällt. Ich hätte so gerne mal ein spritziges Ende gehabt. Nein, Klassiker lese ich eigentlich recht gerne. Aber… weiß auch nicht, was ich hier erwartet habe…

Die Story war mau, aber der Schreiberling zweifelsohne talentiert. Es scheint als könnte er schreiben – er wusste nur nicht worüber.

 

Reading Challenge:

Nr. 3 (a classic romance)
Nr. 10 (a book written by someone under 30) E.M. Forster war 29 als das Buch rauskam
Nr. 17 (a book with a love triangle)
Nr. 44 (a book more than 100 years old)

Advertisements